Heimatmuseum

Ende 2011 wurde klar, dass die Gemeinde Villmar die Wohnung in der Volkshalle Weyer nicht mehr vermieten wird. Hier sahen wir die Möglichkeit, die vielfältige Heimatgeschichte von Weyer viel besser als bisher darstellen zu können und nebenbei Leerstand vorhandener Räume zu vermeiden. AUf Basis einer neu erarbeiteten Konzeption wurde vom Gemeindevorstand im Frühjahr 2013 einstimmig beschlossen, unserem Verein diese Wohnung für ein Heimatmuseum zu überlassen. Bedingung ist jedoch, dass der Gemeinde hierdurch keinerlei Kosten entstehen, abgesehen von der Vereinsförderung für langlebige Güter. Die Kosten für die Wohnungsrenovierung, die Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen (ohne den zweiten Rettungsweg) und der Einrichtung des Museums sind also vollständig durch die Natur- & Heimatfreunde Weyer e.V. zu tragen.

Die Konzeption des Heimatmuseums Weyer baut sich aus den drei Elementen Bewahren, Vermitteln und Weiterdenken auf.

Bewahren – die Grundlage:
Wie bisher auch schon gilt es zunächst, Zeitzeugnisse zu sammeln und aufzuarbeiten oder vor dem weiteren Verfall zu schützen. Hierbei sind Zeitzeugnisse nicht nur Gegenstände, sondern auch alle Arten von Schriften, Karten und Fotos sowie das Wissen „der Alten“. Regelmäßig bekommen wir Hinweise auf Gegenstände von geschichtlichem Wert, die dem Verein geliehen oder überlassen werden in dem Vertrauen, dass wir damit verantwortungsvoll umgehen. Zu den künftigen Aufgaben zählt auch die Pflege eines Heimatarchivs.

Vermitteln – die Aufgabe:
Dies ist wohl der offensichtlichste Teil eines jeden Museums. Um etwas zu vermitteln, muss es zunächst einmal zugänglich sein. Was in der bisherigen Heimatstube so nicht möglich war, lässt sich im neuen Heimatmuseum verwirklichen: die Vielfalt der Weyerer Geschichte nach Schwerpunkten getrennt mit ausreichend Platz darzustellen. Dazu werden wir auf knapp 100 m² zwei verschiedene Dauerausstellungen sowie eine gemütliche Küche als Erzählcafe einrichten. Ein weiterer Raum für wechselnde Ausstellungen soll auch den Ortsvereinen offenstehen.

Weiterdenken – die Vision:
Panta rhei – alles ist im Fluss, wusste bereits der griechische Philisoph Heraklit. So ist auch unser „Heute“ nur ein kleiner Ausschnitt im Fluss der Zeit. Aber so, wie die Geschichte stets die Gegenwart beeinflusst hat, so hat auch unser Handeln Auswirkungen auf die Zukunft. Unsere Vision ist, Geschichte nicht als etwas Abgeschlossenes zu betrachten, sondern in die Zukunft weiterzudenken:
– Geben frühere Entwicklungen Antworten für morgen?
– Was wollen wir bewahren, was sollten wir ändern?
– Wo können wir für die Zukunft Verantwortung übernehmen?
Wenn es uns gelingt, Heimatgeschichte nicht als Nostalgie zu verwalten, sondern als eine Grundlage unseres Lebens und unserer Zukunft zu verstehen, haben wir die Chance, diese Zukunft in einem neuen Bewusstsein mitzugestalten.

Raum 1:

Rohstoffe – Grundlage der Entwicklung von Weyer
Egal ob Silber, Eisen oder Basalt: zu allen Zeiten waren die hier vorhandenen Rohstoffe eine, wenn nicht DIE treibende Kraft für die Entwicklung von Weyer. Sie waren der Grund für Römer, Karolinger und andere, hier zu siedeln und diese Rohstoffe zu fördern, aufzubereiten und zu vermarkten.
Die Rohstoffe sollen daher im Mittelpunkt von Raum 1 stehen. Als Gesteinsproben zum Betrachten und Anfassen und mit Begleittexten zu Vorkommen, Abbau und Verwendung. Umrahmt von Fundstücken der Frühgeschichte, Dokumenten zum Bergbau und Informationen zur Geschichte der Juden in unserer Heimat.
Entstehung von jüdischen Gemeinden im Laubustal
Wertvolle Zeugen jüdischen Lebens in Weyer schlummern in der Heimatstube und warten auf ihren Umzug in das Heimatmuseum. Unter anderem gibt es eine kunstvoll bestickte Altardecke und mehrere Thorawimpel, bemalt mit zahlreichen biblischen und symbolischen Szenen, gefunden in der Synagoge.
Eine Dauerausstellung in einem der Räume des neuen Museums wird über den jüdischen Glauben und die jüdischen Familien in Weyer informieren. So wie es die am 18. Februar 2018 feierlich eingeweihte Informationstafel auf dem jüdischen Friedhof, unserer „Museums-Außenanlage“, als mahnende Erinnerung an den Holocaust schon tut.

Raum 2:

Das 20. Jahrhundert – ein Lehrstück
Als „Klassenzimmer“ gestaltet gibt es hier die Fächer Geschichte, Heimatkunde und Experimente. Die Geschichte soll die Auswirkungen der prägenden Ereignisse wie Kaiserreich, Weimarer Republik und beide Weltkriege auf die Weyerer Dorfgemeinschaft zeigen. Dagegen setzt die Heimatkunde einen Schwerpunkt auf die dörfliche Entwicklung und zeigt anhand von Gewerbe, Landwirtschaft und kultureller Entwicklung die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. In der Raummitte laden Experimente zu zwei großen Themen des 20. Jahrhunderts zum Mitmachen und Weiterdenken ein.

Raum 3:

Wechselnde Ausstellungen
Ein dritter Raum soll für wechselnde Ausstellungen ausgerüstet sein. Hiedurch soll auch eine Vielzahl „kleinerer“ Themen öffentlich gemacht werden. Dieser Raum soll aber ausdrücklich auch den anderen Ortsvereinen offenstehen, z. B. zu besonderen Anlässen selbst eine befristete Ausstellung zu gestalten. Anbei nur ein paar von ganz vielen Ideen, die sich hierfür anbieten:
– Fotoausstellung „Meine Lieblingsplätze in Weyer“ für jedermann.
– Die Geschichte der Volkshalle / des Kindergartens.
– Ausstellung zu Vereinsjubiläen.

Raum 4:

Erzählcafe – „Erzähl doch keine Geschichten“
Herzstück dieses Raums ist eine gemütliche Leseecke mit Tisch und Sitzgelegenheiten für die Besucher. Es wird alte Bücher und Fotoalben geben zum darin Stöbern und sich Erinnern. Wir wollen hier ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben zwischen den Generationen, damit Vergangenes nicht vergessen und Erfahrung nicht verloren geht. Der Raum wird ergänzt um eine kleine Kaffeeküche, damit sich hier auch jeder wohl fühlt.

Raum 5:

Das ganze Dorf und darüber hinaus
Die Ausstellungen im Museum wollen wir durch spezielle Themenführungen in der Gemarkung ergänzen. So sind vermutlich der Verlauf des ehemals offenen Laubusbaches im Dorf oder auch eine Begehung der Gemarkungsgrenzen für viele von Interesse.

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